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Amtssprache: Französisch Auszug aus einem Bericht von Luc Leysen Zaire, Kongo - zwei Namen für einen Fluß, nach dem auch das Land wechselweise benannt wurde. Bis Mai 1997 hieß es Zaire, seither lautet der Staatsname - wie schon vor 1971 - Demokratische Republik Kongo. Angeordnet hat die Umbenennung der neue Machthaber Laurent-Désiré Kabila, dessen Rebellenarmee den Diktator Sese-Seko Mobutu aus dem Lande trieb. Zaire, Kongo - beide Namen wecken den Gedanken an einen breiten Strom, der sich träge durch den dichten dunkelgrünen Urwald wälzt, an Joseph Conrads Novelle "Das Herz der Finsternis" und die Greuel der frühen kolonialen Tage; an Männer wie Joseph Kasavubu, Patrice Lumumba und Moise Tschombé, an Bürgerkrieg und Söldnertruppen, Chaos und Anarchie. Und an Erzvorkommen, so unermeßlich, daß sie von den frühesten Pionieren als ein "Skandal der Geologie" bezeichnet wurden. Belgien, das 1830 gerade erst zu einem souveränen Königreich geworden war, suchte Kolonien, und König Leopold II., der wohl einen guten Riecher hatte, ließ das Gebiet am Kongo-Strom von dem amerikanischen Entdeckungsreisenden Henry Morton Stanley erforschen und von eigenen Expeditionstrupps erobern. 1884 machte der belgische König den "Kongo-Freistaat", 80mal so groß wie sein eigenes Königreich, zu seinem Privatbesitz. Seine Territorialansprüche ließ er auf der Berliner Kongo-Konferenz 1884 bis 1885 von den Großmächten bestätigen: ihnen war eine kleine Kolonialmacht an der strategisch wichtigen Kongomündung lieber als ein mächtiger Konkurrent. Der König hatte es wohl geahnt: im Boden des Kongo ruhten gigantische Mengen an Kupfer, Diamanten, Gold, Kobalt und Uran. Damit die Kolonie sich rentierte, damit Erze, Palmöl und Kautschuk nach Antwerpen flossen, zwangen die Belgier die Menschen vom Kongo mit grausamen Mitteln zur Arbeit. Ihre Kolonialpolitik rief weltweit Entsetzen und Proteste hervor. Der amerikanische Schriftsteller Mark Twain kommentierte: "Das Königsschloß in Brüssel ist, seit 15 Jahren, die Höhle einer wilden Bestie, die jedes Jahr aus Gewinnsucht eine halbe Million hilflose Eingeborene im Kongostaat verstümmelt, ermordet oder verhungern läßt." Erst 1908 ging die Kolonie in den Besitz des belgischen Staates über. Leopold II. unterschrieb den Vertrag mit den Worten: "Hoffentlich werden sie mir meinen Kongo nicht versauen." In Brüssel florierten koloniale Konzerne wie die berüchtigte "Union Minière". In der Kolonie schufteten die Pioniere wie begeisterte Pfadfinder, die ein neues Zeltlager bauen dürfen. Es entstanden Bergwerke, Eisenbahnen, Städte, Straßen, aber auch Krankenhäuser, Missionsstationen, Schulen. Denn nach und nach kümmerten sich die Belgier auch um das Wohlergehen ihrer schwarzen Untertanen - allerdings mit einem kurzsichtigen Paternalismus, der in der Geschichte der europäischen Kolonialisierung ohnegleichen blieb. Sie waren davon überzeugt, daß Neger wie kleine Kinder und daher entsprechend zu behandeln seien. Als 1959 in der Hauptstadt - dem damaligen Leopoldville, heute Kinshasa - Unruhen ausbrachen und einige Weiße bedroht wurden, ließ Brüssel die Kolonie fallen wie eine viel zu heiß gewordene Kartoffel. Doch mit kaum mehr als einer Handvoll Akademikern - exakt 15 Kongolesen mit abgeschlossenem Universitätsstudium - mußte das Land zur Selbständigkeit unfähig sein. Die Frustrationen und Ängste saßen tief - auf beiden Seiten. Als der Kongo am 30. Juni 1960 unabhängig wurde, brüskierte der frischgebackene Premierminister Patrice Lumumba seine weißen Gäste: "Kein Kongolese wird vergessen, daß diese Unabhängigkeit in einem langen, blutigen Kampf erobert werden mußte. Beleidigt und geschlagen wurden wir, morgens, mittags und abends, nur weil wir Neger sind,. Wer wird vergessen, daß man zu einem Schwarzen grundsätzlich nur 'du' sagte - nicht etwa wie zu einem lieben Freund, nein, nur weil das 'Sie' den weißen Herren reserviert bleiben sollte." Wenige Tage später schon meuterten Teile der Armee gegen das - immer noch belgische - Offizierskorps. In allen Provinzen des Kongo plünderten, töteten, vergewaltigten die Soldaten. Wie viele Belgier verließ auch General Janssens, ihr Befehlshaber, fluchtartig das sinkende Schiff. In Brüssel legte er vor dem Denkmal seines Königs Leopold II. einen Kranz nieder mit den historischen Worten: "So, Sire, nun haben sie Ihnen den Kongo völlig versaut." Jahrelang herrschte am Kongo totale Anarchie. Die Strukturen aus der Kolonialzeit waren gleichsam über Nacht verschwunden. Stammesrivalitäten wurden immer stärker. Und die beiden Supermächte mischten sich kräftig ein. Es folgte eine Serie verheerender Ereignisse: die reiche Kupferprovinz Katanga, das heutige Shaba, löste sich mit westlicher Hilfe von der chaotischen Republik los und verteidigte sich mit Söldnertrupps gegen die UNO-Intervention. UNO-Generalsekretär Dag Hammarskjöld stürzte im September 1961 beim Flug zu Verhandlungen mit Moise Tschombé, dem Führer Katangas, im Urwald ab. Der charismatische Premier Lumumba war im Januar 1961 unter ungeklärten Umständen in Katanga ermordet worden. Und Simba-Rebellen, die sich als seine Erben verstanden, hielten Stanleyville besetzt. 1964 schickten Washington und Brüssel Fallschirmjäger, um die weißen Geiseln der Simba zu befreien. Noch Jahre später sammelten sich Söldner im Niemandsland an der Flußbiegung. Relative Ruhe kehrte am Kongo erst ein, als der Feldwebel Désiré Mobutu 1965 durch einen Putsch die Macht übernahm. Mobutu bekam seine Armee in den Griff, benannte sein Land in Zaire um, verbot Krawatten und christliche Vornamen - er selbst hieß jetzt Sese-Seko. "Authenticité" nannte er das - und enteignete die Konzerne und Kleinbetriebe, die immer noch in belgischer Hand waren - das nannte er "Zairisation". Während sein Land wirtschaftlich immer tiefer sank, übertraf der "Vater der Nation" jeden seiner Untertanen in der Kunst des "Matabiche": er wurde der unschlagbare Meister der ungehemmten Korruption. Nach den schweren Unruhen von 1991 und den auch in Zaire aufkeimenden Demokratisierungsbestrebungen schien 1993 das Aus für den Staat gekommen. Nach erneuten, besonders blutigen Ausschreitungen meuternder und plündernder Soldaten versank das Land im Chaos. Es gab zeitweise zwei miteinander konkurrierende Parlamente und zwei Regierungen. Sämtliche Staatsstrukturen - Verwaltung, Post, Verkehr, Schulen, Gesundheitswesen - brachen zusammen. Einzelne Regionen machten sich selbständig, traditionelle Herrscher gerierten sich als Steuereintreiber und Richter. Und 1994 kam ein neues Problem hinzu: rund 1,2 Millionen Flüchtlinge aus dem vom Bürgerkrieg geschüttelten Ruanda strömten nach Zaire. Und Mobutu? Das Ende der Herrschaft kam 1997. Sein Nachfolger sollte Laurent-Désiré Kabila werden, der sich mit seiner Allianz der Demokratischen Kräfte für die Befreiung Kongo-Zaires (AFDL) an die Spitze der Rebellenbewegung gesetzt hatte. Seine Truppen eroberten weite Teile des Landes und standen im Mai 1997 vor Kinshasa. Mehrere Treffen zwischen Mobutu und Kabila, bei denen der südafrikanische Präsident Nelson Mandela zu vermitteln versuchte, verliefen ergebnislos. Am 16. Mai legte Mobutu das Präsidentenamt nieder und verließ das Land. Er starb im September 1997 in Marokko. Kabila, der das Land wieder in Demokratische Republik Kongo umbenannte, verschaffte sich als Präsident weitreichende Vollmachten. Er strich das Amt des Ministerpräsidenten und verbot politische Parteien. Das Parlament war ohnehin bereits aufgelöst. Wahlen sollten erst 1999 abgehalten werden. Demokratische Republik Kongo Bevölkerung: Einwohnerzahl:41Millionen Das Land wird von über 200 verschiedenen Völkern bewohnt. 44 % der Einwohner leben in Städten, 45 % sind jünger als 15 Jahre. Amtssprache ist Französisch, als Umgangssprachen dienen die Sprachen der größten Volksgruppen. Eine Sozialversicherung gibt es seit 1961 für Erwerbstätige, das Gesundheitswesen ist kaum ausgebaut. Für 6- bis 11-Jährige besteht allgemeine Schulpflicht (bei Schulgeldpflicht), seit 1971 gibt es eine Universität Natur und Klima
Fläche:2345095 qkm (sechseinhalbmal so groß wie Deutschland) Geschichte
ca. 1350 - Bantu-Königreich des Mani-Kongo Aus "Weltreisen" und Presse (afp und FR) Die wichtigsten Parteien:
UDPS - Union pour la Démocratie et le Progrès Social |
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Chronik: Nach Unterzeichnung eines Friedensabkommens zwischen den Bürgerkriegsparteien im Juli 1999 in der sambischen Hauptstadt Lusaka, das am 1.9. in Kraft tritt, kommt es weiterhin zu vereinzelten Gefechten zwischen Rebellen und Regierungstruppen, v.a. in der Umgebung von Kabinda und Mbuji-Mayi, dem Zentrum des Diamantenabbaus. Die Regierungstruppen von Präsident Laurent-Désiré Kabila werden von Angola, Namibia und Simbabwe militärisch unterstützt. Die Rebellenallianz Kongolesische Versammlung für die Demokratie (RCD) ist in zwei Faktionen gespalten: Die RCD-Goma unter Führung von Emile Ilunga, militärisch unterstützt von Ruanda, und die RCD-ML, geführt von Ernest Wamba dia Wamba, mit Unterstützung Ugandas und Hauptsitz in Bunia. Die Kongolesische Befreiungsbewegung (MLC) unter Führung von Jean-Pierre Bemba bildet eine weitere militärische Kraft im Kongo, ebenfalls mit ugandischer Unterstützung. Gemeinsames Ziel ist der Sturz Kabilas. Die Rebellengruppen kontrollieren etwa die Hälfte des Landes. In den östlichen Landesteilen agieren so genannte Maji-Maji-Milizen, die sich aus der ehemaligen Hutu-dominierten Armee Ruandas und aus kongolesischen Stammesmilizen rekrutieren, und radikale Interharamwe-Milizen (Hutu), die für den Genozid der Tutsi in Ruanda verantwortlich sind und wechselnde Allianzen eingehen. Die im Friedensabkommen vereinbarte gemeinsame Militärkommission versucht in den kommenden Monaten mit wenig Erfolg, die Einhaltung des Waffenstillstands zu erreichen. Noch glückloser operiert der politische Ausschuss unter dem Vorsitz des früheren botsuanischen Präsidenten Ketumile Masire beim Wiederaufbau demokratischer Strukturen, da Kabila eine Zusammenarbeit ablehnt. Innenpolitik Die MLC bildet Anfang Oktober 1999 eine provisorische Verwaltung für die Gebiete unter ihrer Kontrolle, v.a. die Provinz Equateur im Norden des Kongo. Nach eigenen Angaben leben 15 Mio. Menschen in diesem Gebiet. Bemba nennt die Rückkehr von Flüchtlingen und den Wiederaufbau ziviler Einrichtungen und der Infrastruktur als Ziele seiner Verwaltung. In jeder befreiten Ortschaft sollen Wahlen organisiert werden. Auch die RCD-ML unter Wamba bildet im Oktober eine Gegenregierung zum Kabila -Regime. Ilunga kündigt auch nach seiner Zustimmung zum Friedensabkommen an, den Sturz Kabilas anzustreben. Ruandische Offiziere übernehmen Mitte Dezember 1999 die Kontrolle über die Finanzen der RCD-Goma, nachdem Ilunga der Unterschlagung beschuldigt worden war. Bei einem Treffen in Kabale (Uganda) am 20.12. einigen sich die beiden RCD-Faktionen und die MLC auf eine gemeinsame Verhandlungsposition gegenüber der Kabila -Regierung. Sie bilden ein Komitee für Friedensverhandlungen und vereinbaren die Koordinierung ihrer militärischen Aktionen. Zu einer politischen Allianz kommt es jedoch nicht. Präsident Kabila ernennt am 2.7.2000 per Dekret 240 Abgeordnete, die aus den elf Provinzen des Landes stammen und von einer Kommission des Innenministeriums bestimmt wurden, zur Bildung einer Verfassungs- und gesetzgebenden Versammlung; weitere 60 werden direkt vom Präsidenten ernannt. werden. Parteien sind inzwischen wieder zugelassen, eine Wahl aufgrund des Krieges aber nicht durchführbar. Das Übergangsparlament, dessen Einsetzung sowohl von den UN wie den Rebellen kritisiert wird, da es gegen das Friedensabkommen von Lusaka verstößt, tritt erstmals am 21.8. in der im Süden des Landes gelegenen Stadt Lubumbashi zusammen. Wirtschaft Die von Kabila 1998 neu eingeführte Währung, der Kongo-Franc, konnte sich nicht durchsetzen; Devisen, vor allem US-Dollar werden von der Bevölkerung als Zahlungsmittel benutzt. Das Verbot des informellen Devisenhandels Anfang 1999 und die Einrichtung einer Gold- und Diamantenbörse gelten als Versuch Kabilas, ein staatliches Monopol für den Gold- und Diamantenhandel zu etablieren. Trotz des Bürgerkriegs werden weiterhin v.a. Diamanten abgebaut, über deren Verkauf Kabila seine Truppen finanziert. In den von Ruanda und Uganda kontrollierten Gebieten protestiert die Bevölkerung Anfang Februar 2000 mit mehreren Generalstreiks gegen die Übergriffe auf Zivilisten und die Ausbeutung der Rohstoffvorkommen durch die ausländischen Truppen, die sich ebenfalls dadurch finanzieren. Kriegsverlauf Im November 1999 kommt es im Norden und im Osten zu schweren Gefechten. Regierung und Rebellen werfen sich gegenseitig den Bruch des Lusaka-Abkommens vor. Am 7.11. erklärt Bemba den Waffenstillstand für ungültig. Kabila verhängt am 13.11. eine Ausgangssperre über die Hauptstadt Kinshasa und die Gebiete unter Regierungskontrolle. Im Dezember 1999 bestätigt Kabila das Lusaka-Abkommen bei einem Treffen mit seinen Verbündeten in Windhoek (Namibia). Trotzdem versuchen Regierungstruppen die eingeschlossene Stadt Ikela, in der simbabwische und namibische Soldaten stationiert sind, zurückzuerobern. Dabei gelingt die Einnahme der Stadt Bokungu, 120 km von Ikela in der Provinz Equateur. Im Januar 2000 verstärkt die Regierung ihre Offensive, v.a. an den Ufern des Kongo-Flusses kommt es zu Kämpfen. Bei Gefechten zwischen ruandischen und ugandischen Truppen in Kisangani am 5.5. werden nach UN-Angaben mindestens zehn Zivilisten getötet. Eine Mitte Mai 2000 getroffene Waffenstillstandsvereinbarung zwischen Ruanda und Uganda sieht den Rückzug der Truppen beider Länder unter UN-Aufsicht aus Kisangani vor, mit dem am 30.5. begonnen wird. Nach Ausbruch neuer Kämpfe mit über 700 Toten unter der Zivilbevölkerung wird am 12.6. ein neuer Waffenstillstand zwischen Ruanda und Uganda geschlossen; beide Länder werden aufgefordert, ihre Truppen auf 100 km Entfernung von Kisangani zurückzuziehen. Zu den Auseinandersetzungen beider Länder war es aufgrund von Streitigkeiten über die Ausbeutung von Bodenschätzen gekommen; Kisangani ist Zentrum des Gold- und Diamantenhandels. Friedensmission Mitte September 1999 treffen die ersten Militärbeobachter der UN-Mission für den Kongo (MONUC), die die Umsetzung des Friedensabkommens überwachen sollen, in der DR Kongo ein. Die Stationierung wird aber unterbrochen, da die Regierung keine Garantie für die Sicherheit der UN-Mitarbeiter gibt. Das Abkommen sieht vor, zunächst 90 UN-Beobachter zu entsenden, später eine Friedenstruppe von bis zu 20000 Mann. Die Finanzierung und die Stärke der UN-Truppe sind umstritten, nur Südafrika sagte eine Entsendung von Soldaten zu. Vom 24.–26.1. 2000 finden unter Vermittlung der UN in New York Verhandlungen der am Konflikt beteiligten Regierungen (DR Kongo, Ruanda, Uganda, Angola, Namibia und Simbabwe) statt. Die Rebellen nehmen an den Gesprächen nicht teil. Die Gültigkeit des Abkommens von Lusaka wird bestätigt und seine Erneuerung gefordert. UN-Generalsekretär Kofi Annan hatte zuvor empfohlen, eine Friedenstruppe von 5500 Mann in die DR Kongo zu entsenden. Der US-amerikanische UN-Botschafter Richard Holbrooke lehnt eine Blauhelm-Truppe ab, spricht aber von einer wichtigen Rolle der UN bei der Beendigung des Bürgerkriegs. US-Außenministerin Madeleine Albright bezeichnet den Kongo-Krieg als »Afrikas ersten Weltkrieg«. Am 24.2.2000 beschließt der UN-Sicherheitsrat die Entsendung einer 5500 Mann starken Beobachtertruppe, die das Waffenstillstandsabkommen überwachen soll. Kabila lehnt die Stationierung von UN-Truppen in den von der Regierung kontrollierten Gebieten ab. Die etwa 100 bereits in der DR Kongo stationierten Militärbeobachter werden wiederholt daran gehindert, die Hauptstadt Kinshasa zu verlassen und besonders in die Region von Mbuji-Mayi zu fahren. Am 14.4. wird der Waffenstillstand erneuert. Seine Einhaltung ist Voraussetzung für die Entsendung von Blauhelmtruppen, die in den nächsten drei Monaten eine Pufferzone zwischen den Kriegsparteien bilden und dann den Abzug aller nicht-kongolesischen Truppen überwachen sollen. Bereits kurz nach Beginn des Waffenstillstands werfen sich alle beteiligten teien gegenseitig den Bruch des Abkommens vor. In einer Resolution des UN-Sicherheitsrats vom 16.6.2000 wird verfügt, dass alle am Bürgerkrieg beteiligten ausländischen Truppen »unverzüglich und komplett« das Land zu verlassen haben. In einer Eilentscheidung des Internationalen Gerichtshofs (ICJ) in Den Haag vom 2.7. wird Uganda aufgrund dieser Entschließung aufgefordert, seine Truppen abzuziehen; es sei unbestritten, dass die Kämpfe mit den Regierungstruppen zahlreiche Opfer unter der Zivilbevölkerung gefordert und sich »Massaker und andere Gräueltaten« ereignet hätten. Erste ugandische Truppenkontingente (von insgesamt 10000 Soldaten) ziehen am 3.8. 2000 ab. Das Gipfeltreffen der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC) am 15.8. in Lusaka (Sambia) scheitert, da Kabila die Entsendung weiterer UN-Beobachter und der UN-Friedensmission vom Abzug der ruandischen und ugandischen Armeen abhängig macht; außerdem weigert er sich weiterhin, mit dem früheren botsuanischen Präsidenten Masire zusamenzuarbeiten. An dem Treffen hatten neben den Staatschefs der SADC auch die kongolesischen Rebellenführer Bemba, Ilunga und Wamba dia Wamba teilgenommen; Kabilas mangelnde Kooperationsbereitschaft wird auch von seinen Verbündeten scharf kritisiert. Am 24.8. erklärt er das Lusaka-Abkommen zunächst für ungültig, bestätigt es jedoch wieder und stimmt der Stationierung von UN-Truppen zu. Menschenrechtssituation / Flüchtlinge Der Menschenrechtsbeauftragte der UN, Roberto Garreton, wirft der Regierung Kabila und den Rebellen in einem Bericht vom März 2000 schwere Menschenrechtsverletzungen vor: Seit Beginn des Jahres wurden 19 Menschen ohne Gerichtsverfahren hingerichtet. Die Armee bombardiert ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung Städte, foltert und vergewaltigt. Die RCD-Rebellen werden für mehrere Massaker an Zivilisten verantwortlich gemacht, in den von ihnen kontrollierten Gebieten kommt es zu Übergriffen auf die Bevölkerung. Einer Studie des Internationalen Rettungskomitees vom Juni 2000 zufolge sind seit August 1998 1,7 Mio. Menschen an den indirekten Folgen des Bürgerkrieges, wie Hunger und Krankheiten, gestorben. 200000 Menschen wurden Opfer militärischer Gewalt. Mitte März berichten internationale Hilfsorganisationen, dass die Kämpfe im Osten des Kongos zu einer Flüchtlingstragödie geführt haben; mehr als 250000 Personen hätten ihre Dörfer verlassen. Nach Angaben des UNHCR vom Mai 2000 halten sich über 100000 kongolesische Flüchtlinge in Tansania auf; Tausende sind nach Sambia, Burundi, Uganda, in die Republik Kongo und den Sudan geflüchtet. Aus der DR Kongo selbst werden 365000 Flüchtlinge gemeldet. Mitte August werden zwei US-Diplomaten wegen angeblicher Verschwörung gegen die Regierung Kabila aus der DR Kongo ausgewiesen. Ethnische Konflikte Seit Juni 1999 kommt es im Nordosten der DR Kongo, besonders im Distrikt Ituri, zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den ethnischen Gruppen der Hema und Lendu ( unten). Nach Angaben der Hilfsorganisation Christoffel-Blindenmission (CBM) vom Februar 2000 sind bei Massakern bis zu 8000 Menschen getötet worden, etwa 100000 flohen aus ihren Siedlungsgebieten, davon 30000 nach Bunia. Die Vermittlungsversuche verschiedener Hilfsorganisationen scheiterten. Die CBM warnt vor einem drohenden Völkermord. Nach Überfällen auf Mitglieder von Hilfsorganisationen ziehen sich diese weitgehend aus dem Ituri-Distrikt zurück. Aufgrund der Verwundungen, die Flüchtlingen beigebracht wurden, scheinen die Hema über Feuerwaffen zu verfügen, während die Lendu mit Macheten und Pfeilen kämpfen. Die Spannungen nehmen auch in den von Ruanda dominierten Gebieten zu: Sowohl die ugandische als auch die ruandische Truppenpräsenz im Osten der DR Kongo wird von der einheimischen Bevölkerung zunehmend als »Besatzung« empfunden. Die kongolesischen Banyamulenge-Tutsi werden mit den Tutsi-dominierten ruandischen Truppen identifiziert, es kommt immer wieder zu Übergriffen der kongolesischen Bevölkerung auf diese ethnische Gruppe. Hema und Lendu - ethnischer Konflikt in der DR Kongo Der Konflikt zwischen den Gruppen besteht seit der belgischen Kolonialzeit: Angehörige der Lendu, traditionell Bauern, wurden von der Kolonialverwaltung enteignet, die die Landrechte an europäische Siedler vergab. Nach Ende der Kolonialzeit gingen die Land-Konzessionen an die Hema, traditionell Viehhirten, über, die auch eine politische Führungsrolle innehatten. Während der korrupten Diktatur von Mobutu Sese Seko (1965-97) kauften die Hema weitere Landrechte und setzten die Vertreibung der Lendu aus ihren Siedlungsgebieten fort. Viele Lendu arbeiten als Lohnempfänger auf Plantagen der Hema. Bereits in den Jahren 1972, 1985 und 1996 kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Durch den Bürgerkrieg und das völlige Fehlen staatlicher Ordnung verschärft sich der Konflikt. Ausgelöst wurden die jüngsten Konflikte durch die Vergabe von Landnutzungsrechten durch eine militante Hema-Gouverneurin an Mitglieder ihrer eigenen ethnischen Gruppe. Nach Einschätzung von Hilfsorganisationen beeinflusst das ideologische Muster des Hutu-Tutsi-Konflikts auch die Hema-Lendu-Auseinandersetzungen: Die bäuerlichen Lendu verfügen über wenig politische und militärische Einflussmöglichkeiten, während die Hema sich mit ugandischen Truppen, die traditionell die Tutsi unterstützen und unter deren Kontrolle das Gebiet steht, verbünden. Die Hema werden mit den Tutsi assoziiert, damit mit den ugandischen und ruandischen Besatzern. Seit Beginn des Jahres 2000 versuchte die ugandische Verwaltung den Konflikt durch die Absetzung der Gouverneurin und die Versetzung des militärischen Kommandanten zu entschärfen, allerdings kommt es weiterhin zu Überfällen und Massakern durch beide Gruppen. Schätzungen über die Anzahl der Hema und Lendu schwanken: Für die Hema werden 350000 bis 500000 Angehörige genannt, für die Lendu etwa 500000. |